Gesundheit in Gefahr: Ein Skandal Beispiel aus dem HNO-Bereich anhand des Beispiels meines 4 Jährigen Jungen - WIR als die Linke müssen Handeln!
Einleitung
Warum müssen Kinder monatelang auf einfache Operationen warten, während Kliniken Verluste einfahren und das Gesundheitssystem unter Kostendruck ächzt? Diese Flugschrift beleuchtet die Missstände im deutschen Gesundheitssystem anhand eines konkreten Beispiels: der
Operation für Paukenröhrchen und Polypen bei einem vierjährigen Kind. Wir zeigen, wie
Profitorientierung und Unterfinanzierung Patient:innen gefährden, und fordern eine solidarische Gesundheitspolitik im Sinne der Linken. Dieses Papier richtet sich an unsere Parteibasis, um die Debatte über eine gerechte Gesundheitsreform anzustoßen.
Das Beispiel: Mein Sohn und die Hürden der HNO-OP
Mein vierjähriger Sohn benötigte eine kombinierte Operation zur Entfernung von Polypen (Adenotomie) und zum Einsetzen von Paukenröhrchen (Tympanostomie), um Hörprobleme und wiederkehrende Infektionen zu behandeln. Diese Routineeingriffe, die zusammen 15–30 Minuten dauern, sind essenziell, um Sprachentwicklungsstörungen oder dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bereits im Vorjahr hatte mein Sohn eine solche Operation an der Uniklinik Köln, wo wir fünf Monate auf einen Termin warten mussten. Der Grund: Krankenhäuser lehnen es ab, mehr als eine begrenzte Anzahl dieser OPs durchzuführen, da sie pro Eingriff ca. 500 Euro Verlust machen – die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur ca. 70–80 Euro für Teileingriffe, wie mein HNO-Arzt erklärte.
Nach der Operation war eine BERA (Brainstem Evoked Response Audiometry) notwendig, eine
Untersuchung, die die Hörfunktion überprüft, indem sie elektrische Signale des Hörnervs misst
– besonders wichtig bei Kleinkindern, um Hörschäden zu diagnostizieren. Doch an der Uniklinik Köln darf diese Untersuchung nur eine einzige Person durchführen, die bereits im Rentenalter ist und nur einmal im Monat extra für diesen Zweck in die Klinik kommt. Dies führt zu zusätzlichen Verzögerungen und zeigt den eklatanten Personalmangel in spezialisierten Bereichen.
Die erneute OP steht nun an, doch die Wartezeiten bleiben mit 6 Monaten bis zu 1,5 Jahren skandalös lang. Kinder wie mein Sohn leiden, weil das System sie im Stich lässt.
Analyse: Warum das Gesundheitssystem krankt
Die Missstände sind systemisch und durch die profitorientierte Ausrichtung des Gesundheitswesens bedingt. Hier die zentralen Probleme:
- Unterfinanzierung der Eingriffe: Für die kombinierte Operation (Paukenröhrchen + Polypen) zahlen Krankenkassen seit Januar 2025 etwa 363 Euro (inkl. Narkose), davon entfallen nur 115 Euro auf den HNO-Arzt. Stationär liegt die Vergütung bei 188 Euro, während die tatsächlichen Kosten über 1.700 Euro betragen – ein klares Minusgeschäft für Kliniken (HNO-Berufsverband, 2025; InEK-Fallpauschalen, 2025).
- Kostendruck und OP-Limitierung: Kliniken wie die Uniklinik Köln begrenzen
HNO-OPs, da sie lukrativere Eingriffe (z. B. Knie-OPs) priorisieren. In NRW schlossen 2025 HNO-Belegabteilungen, wodurch 4.000 OPs jährlich wegfallen (WDR, März 2025).
- Personalmangel: Die BERA-Situation – nur eine Person für eine essenzielle
Untersuchung – zeigt den dramatischen Mangel an Fachkräften. Rentner:innen müssen einspringen, weil Nachwuchs fehlt.
- Regionale Ungleichheit: Nur im Saarland deckt die IKK Südwest die vollen Kosten ambulanter HNO-OPs bei Kindern, was Wartezeiten auf 4 Wochen reduziert. Anderswo warten Kinder bis zu 18 Monate, was zu Sprachstörungen und Folgekosten (z. B. Logopädie) führt (SR, März 2025).
- Soziale Ungerechtigkeit: Besonders Familien in ländlichen Regionen oder mit geringem Einkommen sind betroffen, da sie keine privaten Alternativen finanzieren können.
Die Ursache liegt in der jahrzehntelangen Politik der Privatisierung, Kürzungen und des Mangels an Fachpersonal, die Gesundheit zur Ware macht.
Forderungen: Für ein solidarisches Gesundheitssystem
Wir, Die Linke, fordern:
- Vollfinanzierung ambulanter und stationärer HNO-OPs: Einführung einer Hybrid-DRG, die tatsächliche Kosten (mind. 1.700 Euro pro OP) deckt, wie vom HNO-Berufsverband vorgeschlagen.
- Entprivatisierung des Gesundheitswesens: Rückführung von Kliniken in öffentliche Hand, um Patient:innen statt Profite zu priorisieren.
- Schnelle Termine für Kinder: Verpflichtung zu maximal 4 Wochen Wartezeit für kinderärztliche OPs, wie im Saarland-Modell der IKK Südwest.
- Fachkräftesicherung: Investition in Ausbildung und Anstellung von Spezialist:innen (z. B. für BERA), finanziert durch eine Vermögenssteuer, um Abhängigkeit von Rentner:innen zu beenden.
- Transparenz und Gleichheit: Bundesweite Standards für Krankenkassen-Vergütungen, um regionale Ungleichheiten zu beseitigen.
Schluss: Gemeinsam handeln!
Das Beispiel meines Sohnes zeigt: Unser Gesundheitssystem opfert Kinder und Familien zugunsten von Kostendruck und Profiten. Lange Wartezeiten, defizitäre OPs und
Personalmangel wie bei der BERA gefährden die Gesundheit unserer Kleinsten. Die Linke steht für ein Gesundheitswesen, das Leben rettet statt Verluste zu vermeiden. Wir laden alle Parteimitglieder ein, dieses Papier zu diskutieren und konkrete Schritte für unsere nächste Gesundheitskampagne zu entwickeln.
Quellen: HNO-Berufsverband Brandbrief (2025); WDR-Bericht NRW (März 2025); SR-Nachrichten Saarland (März 2025); InEK-Fallpauschalen-Katalog 2025; GKV-Spitzenverband.
Verfasser: Torsten Hübner

