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Peter Tschorny - Bergisch Gladbach

Tafel-Vorstand diffamiert Tafel-Kunden

Ein kritischer Kommentar von Peter Tschorny zu Klaus Pehles Artikel „Mehr als ein Drittel sind Kinder und Jugendliche“ in der Novemberausgabe des bergisch gladbacher Stadtmagazins „GL kompakt“.

Der Apotheker Markus Kerckhoff, 2. Vorsitzender vom Vorstand der Tafel in Bergisch Gladbach äußert sich in dem Artikel „… wohlwissend, dass diese Art von Unterstützung aus Sicht von Kritikern das Armutsproblem eher weiter vorantreibt“.

Dabei bezieht er sich angeblich auf den Soziologen Stefan Selke, Autor des Buches „Schamland. Armut mitten unter uns“.

Der Apotheker sagt über den Soziologen: „Sein Ergebnis ist, dass diese niederschwelligen Angebote das Problem verschärften, weil die Menschen weiter in ihrer Nicht-Selbstständigkeit existieren“.

Will Kerckhoff dem Soziologen damit in den Mund legen und den Tafel-Kunden unterstellen, sie hätte es wegen des reichhaltigen Wohlfahrts-Angebots nicht nötig, ihre Lethargie abzulegen, in die Pötte zu kommen und den Arsch hochzukriegen?!

In einer einem akademisch gebildeten selbstständigen Unternehmer angemessenen gewählten Ausdrucksweise nährt er genau solche Stammtisch-Parolen gegen armutsgefährdete Bedürftige von Transferleistungen (auf die in einem Sozial-Staat ein Rechts-Anspruch besteht):

„Vor allem die Erwachsenen haben sich dazu entschieden, ihr Leben so zu führen …“, sagt Kerckhoff.

Als wenn erwachsene Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt aufgrund einer freien Entscheidung lieber von der staatlichen Stütze und Almosen leben, als von ihrer Hände Arbeit.

Zu den Kunden der Tafel gehören:

-          Senioren und besonders Seniorinnen, die nur von ihrer Rente den Lebensunterhalt nicht bestreiten können,

-          Schwerbehinderte, darunter auch jüngere Leute, die von ihrer Erwerbsunfähigkeits-Rente nicht leben können,

-          Menschen, die aufgrund gesundheitlicher und sozialer Umstände oder altersbedingt auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind,

-          Zuwanderer, die aus unterschiedlichen Gründen versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen.

Den Rentnern, die 40 Jahre gearbeitet haben und trotzdem von ihrer Rente nicht leben können, gesteht Marcus Fehler, Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender vom Vorstand der bergisch gladbacher Tafel zu: „Da kann man schlecht sagen: Die könnten doch besser arbeiten gehen.“ Alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die zu den Kunden der Tafel zählen, werden durch solche Aussagen stigmatisiert, diffamiert und diskriminiert.

Solche Stimmungsmache ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht vieler bedürftiger Tafel-Kunden, sondern unterminiert auch den selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel, von denen einige selbst von Armutsgefährdung betroffen sind und Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II beziehen.

Der Tafel-Vorstand macht genau das, was der Soziologe Stefan Selke kritisiert: Individualisierung von Schuld: „Die haben sich dazu entschieden, ihr Leben so zu führen“, und: „Die könnten doch besser arbeiten gehen.“

„Die Tafeln repräsentieren …“ laut Selke „… den Zeitgeist“.

Dass solche Aussagen wie von Fehler und Kerckhoff keinen Aufschrei in der Bürgerschaft auslösen, legt nahe, dass sie dem herrschenden Zeitgeist entsprechen. Sie bestätigen damit, dass es notwendig ist, die Tafel-Bewegung gesellschaftskritisch zu betrachten.

Der Soziologe versteht Tafel-Kritik deshalb auch als Gesellschafts-Kritik.

Für ihn sind Tafeln (wie auch Kleiderkammern, Suppenküchen, Sozialkaufhäuser) ein schlechter „Ersatz für reale Armutspolitik“.

Aber solange diese Gesellschaft keine bessere ist, wäre es im Sinne der Menschen-Würde angebracht, wenn sich Wohltäter abwertender Zuschreibungen ihrer Almosen-Empfänger enthalten. Besonders wenn diese Wohltäter Verantwortung im Vorstand einer privaten karitativen Organisation tragen. Schließlich tun ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Ehrenamtler mehrheitlich selbstlos und zuverlässig Dienst am Nächsten auf Augenhöhe, ohne nach einem Verschulden der Bedürftigen zu fragen.


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