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Wer Beschäftigte unter Generalverdacht stellt, bekämpft keine Krankheitsursachen

Die Linke RBK

Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses offenbaren erneut das Menschenbild dieser Bundesregierung: Beschäftigte gelten offenbar nicht als Menschen, die arbeiten, krank werden und sich erholen müssen – sondern als potenzielle Betrügerinnen und Betrüger.

 

Die geplante Verpflichtung, bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen, ist kein Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Sie ist ein Angriff auf hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte und Ausdruck einer Politik des Misstrauens. Zudem verschärft sie die ohnehin brenzlige Lage des Gesundheitssystems – ohne Mehrwert.

Der erste Fehler liegt schon in der falschen Annahme auf die der Reformvorschlag zielen soll. Der aufgezeichnete starke Anstieg der Krankheitstage pro Beschäftigten in den letzten Jahren soll vermeintlich durch Missbrauch der ersten drei Krankheitstage ohne Attestpflicht verursacht worden sein. Dem soll nun eine strengere Nachweispflicht entgegenwirken. Dabei wird außer Acht gelassen, dass durch die seit 2022 eingeführte elektronische Übermittlung der AU-Bescheinigung nun die Arbeitsunfähigkeiten zuverlässiger erfasst werden. Es wird also einfach besser dokumentiert. Nichtsdestotrotz soll mit der Regelung der AU-Bescheinigung ab dem 1.Tag die Nachweispflicht gegenüber dem Arbeitgeber und dem Unternehmen verschärft werden.

Dabei gibt es dieses Instrument längst. Arbeitgeber können schon heute in begründeten Fällen verlangen, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag vorgelegt wird. Wer konkrete Verdachtsmomente hat, kann handeln. Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen, ist weder notwendig noch gerecht.

Die Bundesregierung behauptet, die Krankheitstags minimieren zu wollen. Tatsächlich wird sie das Gegenteil erreichen.

Wer morgens mit Fieber, Magen-Darm oder einer heftigen Migräne aufwacht, wird künftig nicht mehr einfach einen oder zwei Tage zu Hause bleiben können, sondern zunächst eine ohnehin überlastete Arztpraxis aufsuchen müssen. Nicht ohne Grund äußersten Ärzte und andere Fachkräfte des Gesundheitswesens ihren deutlichen Widerspruch unmittelbar nach Veröffentlichung der Reformvorhaben. Viele Ärztinnen und Ärzte werden ihre Patientinnen und Patienten dann vorsorglich gleich mehrere Tage oder eine ganze Woche krankschreiben. Aus kurzen Erkrankungen werden längere Ausfallzeiten – und die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Zeche.

Noch gravierender ist die Botschaft hinter dieser Maßnahme: Wer krank ist, soll sich rechtfertigen. Das erhöht den Druck, trotz Erkrankung zur Arbeit zu erscheinen. Präsentismus – also Arbeiten trotz Krankheit – gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch Kolleginnen und Kollegen. Wer Infekte in Betriebe schickt, sorgt nicht für weniger, sondern für mehr Krankheitsfälle.

Dabei liegen die Ursachen hoher Krankenstände längst auf dem Tisch: Personalmangel, Überstunden, psychische Belastungen, Burnout, eine alternde Gesellschaft und Arbeitsbedingungen, die viele Menschen an ihre Grenzen bringen. Doch anstatt diese Probleme endlich anzugehen, sucht die Bundesregierung den Schuldigen bei den Beschäftigten.

Das ist der völlig falsche Weg.

Die Linke fordert eine Politik, die den Menschen vertraut, statt sie zu kontrollieren. Gute Arbeit entsteht nicht durch Misstrauen und neue Schikanen, sondern durch ausreichend Personal, bessere Arbeitsbedingungen, starke Mitbestimmung, wirksamen Arbeitsschutz und eine Gesundheitsversorgung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Während Konzerne Milliardengewinne einfahren und Steuerflucht Milliarden kostet, wird Beschäftigten unterstellt, sie würden ihre Krankmeldungen missbrauchen. Das ist nichts anderes als Klassenpolitik von oben.

Wer Arbeitnehmerrechte abbaut, bekämpft keine Krise – er verschärft sie.

Krankheit ist kein Verdacht. Erholung ist kein Privileg. Und Vertrauen ist keine Schwäche.

 

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