12. Juni 2015 Peter Tschorny

Keine Trauma-Therapie für Empfänger von Asylbewerberleistungen

Vorabkommentar von P. Tschorny zur Niederschrift des ASWDG v. 28.05.15Die Fraktionen und der Vertreter des Integrationsrates betonten im ASWDG am 28.05.15 unisono, dass sie sich mit dem Antrag der Linken intensiv auseinander gesetzt hätten. Der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung für traumatisierte Flüchtlinge wird gesehen. Doch dann spielten sich gleich mehrere Ausschussmitglieder als Spezialisten für Trauma-Therapie auf: Von der SPD wird eine mögliche Retraumatisierung durch Aushändigen eines Berechtigungsscheins für eine entsprechende Psychotherapie befürchtet. Ein anderer von der CDU sieht „... keine Möglichkeit, hochprofessionelle Trauma-Psychotherapie in Berg. Gladbach durchzuführen“.

Der Vertreter des Integrationsrates sagt: „der Antrag ist realitätsfern und schießt über das Ziel hinaus“. Die Aussage der Fachbereichsleiterin kommt dem was gemeint ist, schon näher: „Die Finanzierungs-Situation ist schlecht“. Das Therapiezentrum für Folteropfer und Flüchtlingsberatung in Köln ist (laut Stadtverwaltung) bereits massiv überlastet. Dennoch sehen die Ausschussmitglieder keine Möglichkeit, in Berg. Gladbach entsprechende eigene Strukturen aufzubauen. Hier folgen die Kommunalpolitiker mal wieder der Position der Verwaltung. Diese lehnt eine Finanzierung der traumatherapeutischen Versorgung als freiwillige Leistung ab. Sie würde, so die Beschlussvorlage, den Haushalt zusätzlich belasten. Der Vertreter der Linksfraktion sagte, dass diese Stellungnahme der Verwaltung bei der Diskussion in der Fraktion als erbärmlich und zynisch bezeichnet wurde. Daraufhin wurde ihm lautstark vorgeworfen, das Leid von Flüchtlingen dürfe nicht für Zwecke politischer Profilierung instrumentalisiert werden. Dieselben Ausschussmitglieder, die den Antrag der Linksfraktion ablehnten, hatten kurz vorher zu einem Tagesordnungspunkt, der von der Schulsozialarbeit und der Netzwerkarbeit handelt, zur Kenntnis genommen, dass von den 246.572 €, welche der Rat für die Netzwerkarbeit in 2015 bereit gestellt hatte, selbst wenn auch die Schulsozialarbeit davon mitfinanziert wird, wegen verschiedener anderer Förderungen nur 98.539 € dafür ausgegeben werden müssen. Das bedeutet eine Einsparung von ca. 148.000 €. Auf die Frage, ob dieses Geld nicht weiterhin für Soziales zur Verfügung stehen solle, wand sich die große „christliche“ und „soziale“ Koalition heraus, dem Rat sei die Entscheidung, zur Freigabe der Gelder schon damals nicht leicht gefallen. Eine nur eingeschränkte Gesundheitsversorgung im Rahmen des Asylbewerberberleistungsgesetzes ist für die Linke menschenrechtswidrig. Wir stehen für eine diskriminierungsfreie Gleichbehandlung Aller im Rahmen der gesetzlichen Gesundheitssysteme. Der besonderen Situation traumatisierter Flüchtlinge muss dabei Rechnung getragen werden. Wenn man bedenkt, dass es für eine auf Monate begrenzte Zeit des Bezugs von Asylbewerberleistungen und wegen sprachlicher Barrieren um einen begrenzten Personenkreis von Flüchtlingen geht, denen man traumatherapeutische Hilfe zur Verfügung stellen kann und die diese annehmen, dann kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass es nicht am Geld scheitern würde, sondern am fehlenden politischen Willen. Und das halte ich tatsächlich für erbärmlich in einer Stadt, die sich die besten Abwassertempel Europas leistet und ein neues Stadthaus plant. Angesichts dessen was viele unserer asylbegehrenden Mitbürger mitgemacht haben ist das nicht nur zynisch, sondern unchristlich und unsozial – Punkt. ViSdP: DIE LINKE. Fraktion Bergisch Gladbach, Pressesprecher Peter Tschorny, mobil: 0177-2852529 Peter Tschorny, Dipl.-Soz.Päd. HP Psychotherapie Tel.: 02204 2919114 Fax: 02204 404449 www.peter-tschorny.com